Der Zaun muss weg! Tempelhof für Alle!

Parade für ein Recht auf Stadt

08.05.2010 14:00
Berlin

 

Tempelhof für Alle?

Am 08. Mai 2010 will der Berliner Senat das Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof öffnen. Endlich, könnte man meinen. Aber statt eines offenen Parks für alle BerlinerInnen plant der Senat ein Gelände mit strikten Öffnungszeiten, Wachschutz und Sicherheitszäunen. Statt der Bevölkerung die Planung und Verfügung des Geländes zu überlassen, plant ein Unternehmen die zukünftige Nutzung. Geht es nach der Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer drohen BesucherInnen perspektivisch sogar Eintrittspreise von 16 Euro für einen Parkbesuch, zum Beispiel bei der Ausrichtung der „Internationalen Gartenausstellung“ auf dem Gelände:

 

„Die Entwicklung des Tempelhofer Feldes bekommt damit einen Schub, der nicht nur dem Projekt Tempelhof sondern der ganzen Stadt zu Gute kommt.“

 

Welchen Schub Junge-Reyer anspricht, zeichnet sich schon jetzt in den umliegenden Stadtteilen ab: Statt die bestehenden sozialen Probleme anzugehen, will der Senat die Gebiete in Kreuzberg und Neukölln für reichere Menschen attraktiv machen. Während auf dem Tempelhofer Feld Eigentumswohnungen entstehen sollen, ziehen die Mieten im neuen „Trendkiez“ Nord-Neukölln und im Schillerkiez schon spürbar an. Statt sozialen Wohnungsbau anzubieten, der diesen Namen auch verdient, schrauben städtische Wohnungsunternehmen wie „Stadt und Land“ die Mietspirale höher. Der Senat will unter dem Motto „Jung, bunt und erfolgreich“ das Gebiet rund um die Karl-Marx-Straße gezielt „aufwerten“. Wer nicht in die schöne neue Welt der StadtplanerInnen passt, bekommt dies schon jetzt zu spüren: Die vom Quartiersmanagement Schillerstrasse ins Leben gerufene „Task Force Neukölln“ drängt im Namen angeblicher Sicherheit unliebsame „Randgruppen“ aus dem Kiez.

 

An Bezirken wie Prenzlauer Berg oder Mitte zeigt sich, welche Auswirkungen die vom Senat geförderte „Aufwertung“ der Stadtteile hat: Dort wurde seit dem Fall der Mauer ein großer Teil der Bevölkerung verdrängt. Denn wenn Stadt und Bezirk von „Aufwertung“ sprechen, wird dabei kein schönerer Kiez für uns alle herausspringen. Ihre „Aufwertung“ meint nichts anderes als die „bessere“ Verwertung unserer Stadt, die Maximierung von Profit für Wenige und die Verdrängung von Menschen mit geringem Einkommen aus der Innenstadt.

 

Wessen Stadt? Unsere Stadt!

 

Wir brauchen keine weiteren Prestigeobjekte wie Mediaspree oder das Berliner Stadtschloss. Wir brauchen auch keine schicken Eigentumswohnungen mit Parkblick auf dem Tempelhofer Feld oder Townhouses im Mauerpark.

 

Was wir brauchen sind Wohnungen, deren Miete sich nicht am Profit orientiert. Wir brauchen einen kommunalen Wohnungsbestand, der anders als momentan kontinuierlich bezahlbaren Wohnraum garantiert. Wenn schon Parkblick, dann für Alle!

 

Wir fordern deshalb, dass die Entscheidung darüber, wie landeseigene Brachen bebaut werden, nur mit breiter Beteiligung der betroffenen BürgerInnen gefällt wird. Denn undemokratische und intransparente Entscheidungen – wie im Fall des ehemaligen Flughafens Tempelhof oder des Spreeufers – und steigende Mieten sind Ausdruck einer Politik, die sich nicht an den Bedürfnissen der Mehrheit der Bevölkerung orientiert. Mit bloßem Fordern ist es jedoch nicht getan: Es ist an der Zeit, uns das zu nehmen, was uns ohnehin gehört!

 

Holen wir uns die Stadt zurück! 1. Station: Tempelhof!

 

Wir laden alle Initiativen und BewohnerInnen Berlins ein, sich am 8. Mai gegen die Verdrängung durch steigende Mieten und eine Stadtumstrukturierung von oben zu wehren. Die Probleme gehen nicht nur die NeuköllnerInnen etwas an, sondern alle. Die Eröffnung des Flughafengeländes eröffnet auch uns die Chance, unser Recht auf Stadt einzufordern!

 

Kommt zur Demonstration vom Hermannplatz zum Flughafen Tempelhof!

 

8. Mai 2010 | 14 Uhr | Hermannplatz

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