Naziaufmarsch XY ... aufgelöst!
Die (fast) fusionierte Nazipartei „NPD – Die Volksunion“ hat im Rahmen ihrer „Bremen-Offensive“ zum Bürgerschaftswahlkampf 2011 einen Kongress sowie einen Aufmarsch am 30. April angekündigt. Faschisten sollen geschützt von Polizisten marschieren und ihre rassistische Hetze sowie ihre menschenverachtenden Forderungen unter die Menschen bringen dürfen.
» Tatmotiv
Der Faschismus hat theoretisch und praktisch schon seine Grausamkeit bewiesen: rassistische, antisemitische und nationalistische Klänge waren die ideologische Hintergrundmusik für Massenmord und Krieg. Immer noch stimmen Faschisten dieses Lied an, hetzen und proklamieren ihre Menschenverachtung auf Demonstrationen, sitzen in Parlamenten, verprügeln MigrantInnen, Schwule, Lesben und Transsexuelle, Linke und alternativ aussehende Menschen. Ihre Bewegung bekommt in ganz Europa Aufschwung. Ihre soziale Basis wird durch die kapitalistische Ausbeutung und Konkurrenz geformt. Neben viel Profit, Konsumquatsch und Krisen produziert diese vor allem systematisch Unzufriedenheit und allzuhäufig leider auch ein Verlangen nach autoritären Wegweisern. Dabei radikalisiert sich noch einmal, was gesellschaftlich und staatlich ohnehin schon fest verankert ist: vom massenhaft verbreiteten Rassismus im Alltag bis zur Selbstverständlichkeit der militärisch organisierten „Flüchtlingsabwehr“ an Europas Außengrenzen. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass sich nationalistische und rassistische Ideen auch außerhalb von NPD und ausgeprochenen Nazivereinen finden lassen. Bis in bürgerliche Parteien und Milieus reichen Überzeugungen, die sich nur minimal von neofaschistischen Vorstellungen unterscheiden. Ausdruck findet die breite gesellschaftliche Akzeptanz rechter Ideen in Diskursen wie der Kopftuchdebatte oder zuletzt dem medial inszenierten Hype um die Thesen des SPD-Politikers Sarrazin. So werden rechte Positionen salonfähig und ihre praktische Brisanz verharmlost. Aus einer mehr oder weniger akzeptierten gesellschaftlichen Mitte heraus werden zwar die schlimmsten faschistischen Aktivitäten nach wie vor verfolgt und verurteilt. Zeitgleich werden linke AntifaschistInnen unter dem selben Label diffamiert: Extremismus! Da wird nicht unterschieden, ob es um die Bekämpfung von Ausbeutung und Unterdrückung oder deren Verschärfung geht, allein das Bedrohungspotential für das Weiterfunktionieren demokratisch-kapitalistischer Verhältnisse wird noch in die juristische Waagschale geworfen.
» Corpus delicti
Nichtsdestotrotz hat sich gegen den Naziaufmarsch in Bremen ein breites gesellschaftliches Bündnis formiert. Antifaschistische und antirassistische Gruppen, aber auch Gewerkschaften, Vereine und Einzelpersonen wollen sich dem Aufmarsch entgegenstellen und zeigen, dass der Wahlkampf und die Propaganda der Faschisten nicht geduldet werden. Mit der Ansage „Keinen Meter“ durchbrachen im Jahr 2006 mehrere tausend Menschen eine Polizeikette und verhinderten so einen Aufmarsch der NPD. An diese Erfahrungen knüpfen wir heute an. Avanti – Projekt undogmatische Linke beteiligt sich an dem Versuch, den Naziaufmarsch durch eine Massenblockade zu verhindern.
» Keine Verhandlungssache
Wir sind bunt, aber nicht beliebig! Wir sind (noch) jung, aber nicht grün hinter den Ohren! Unser Ziel ist die Marschroute der Nazis. Nur wenn wir rechtzeitig dorthin gelangen und bleiben, können wir wirklich sicherstellen, dass sie keinen Meter laufen werden. Dieses Ziel erfordert ein gehöriges Maß Entschlossenheit, etwas organisatorische Verbindlichkeit, halbwegs festes Schuhwerk und einen kreativen Umgang mit Hindernissen. Eventuell auftauchende Absperrungen sind auch nur geschichtlich entstanden und müssen uns nicht von unserem Aktionsziel abbringen: den Faschisten keinen Meter zu überlassen. Zusammen, beherzt und rigoros!
» Und dann?
Nicht von ungefähr wollte die NPD eigentlich am 1. Mai aufmarschieren lassen, ein Datum, welches uns daran erinnert, um wieviel mehr es (schon) gehen könnte, müssten wir nicht dauernd Nazis ihr Podium streitig machen. Gegen die letzte Wirtschaftskrise hat sich weltweit Protest geregt. Auch wenn eine wahrnehmbare Widerstandsbewegung in Deutschland ausgeblieben ist, gab und gibt es doch viele kleine Brandherde sozialer Kämpfe, die es zu unterstützen gilt: von Emmely über Schlecker-Aktivistinnen bis zum Atlas-Streik. Die Abwehr der reaktionärsten Bewegungen ist zwar notwendige aber eben doch nur Vorbedingung der Entwicklung emanzipatorischer Kämpfe.
In diesem Sinne,
– sind wir entschlossen, den Naziaufmarsch am 30. April zu verhindern!
– solidarisieren wir uns mit allen Initiativen, die dasselbe Ziel haben!
– fordern wir mehr selbstorganisiertes Engagement gegen Faschisten und ihre widersprüchlichen Ausleger in dieser Gesellschaft!
– werden wir in und mit sozialen Bündnissen weitere Risse im Putz der sogenannten sozialen Marktwirtschaft aufdecken und vertiefen!
– muss die radikale Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse, die auf sexistischer und rassistischer Ausgrenzung und wirtschaftlicher Ausbeutung beruhen, diskutiert und organisiert werden!
