Selbstdarstellung

Die Antifa-AG von Avanti Berlin

„Im antifaschistischen Kampf ist es wichtig, auf die eigenen Kräfte zu vertrauen, staatlichen Kampagnen nicht hinterherzulaufen und sich eigenständig und unabhängig zu organisieren. Das heißt nicht, auf Forderungen an staatliche Stellen zu verzichten und schon gar nicht, sich sektiererisch aus der gesellschaftlichen Debatte zu verabschieden“, so kann im Avanti-Grundsatzpapier nachgelesen werden. Und weiter: „Es bedeutet aber, zunächst der unabhängigen antifaschistischen Organisierung, der Entwicklung von inhaltlicher Kompetenz und praktischer Aktionsfähigkeit Priorität einzuräumen.“

Damit ist genau die Grundlage umrissen, auf der wir in Berlin aktiv sind. Die Antifa AG besteht seit Gründung der Ortsgruppe im Jahr 2008. Eine unserer ersten öffentlichen Auftritte fand im Juli des „Superwahljahrs“ 2009 statt. Die NPD stand damals vor wichtigen Landes- und Kommunalwahlen. Auf einer Veranstaltung stellten wir die Kampagne „Alles muss man selber machen“ vor. Im Jahr darauf waren wir maßgeblich an den Protesten gegen den Naziaufmarsch am 1. Mai im Prenzlauer Berg beteiligt. Dabei arbeiteten wir eng mit den anderen Berliner Mitgliedsgruppen der Interventionistischen Linken, ALB und FelS, zusammen.

Ein Schwerpunkt unserer Arbeit in den folgenden Jahren lag nicht in Berlin, sondern ein Stückchen weiter südlich. Aktiv haben wir in den beiden Bündnissen Dresden Nazifrei und No Pasaran mitgearbeitet. Neben der aktiven Intervention auf der Straße und der Verhinderung des Naziaufmarsches stand dabei für uns immer auch die Zurückdrängung des Dresdner Opfermythos im Zentrum, z. B. durch den maßgeblich von uns initiierten Täterspuren-Mahngang. Zudem haben wir einen internationalen Kongress zum Zivilen Ungehorsam in Dresden veranstaltet. Inzwischen ist es in Dresden trotz heftiger Repression gelungen, durch eine interventionistische Politik von breiten Bündnissen und eine entschlossene Praxis der Massenblockaden den zeitweilig größten Naziaufmarsch in Europa zur Geschichte werden zu lassen. Auswertungspapier: Die Dynamik der Aufmärsche ist gebrochen

Angesichts der im Jahr zuvor bekannt gewordenen Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU), der im Zuge dessen offenbar gewordenen Verstrickung der Inlandsgeheimdienste und einseitigen Ermittlungen der Polizei organisierten wir im November 2012 im Rahmen des Berliner Bündnis gegen Rassismus unter dem Motto „In Gedenken an die Opfer des NSU – Das Problem heißt Rassismus! Schluss mit der Vertuschung!“ eine Demonstration von Flüchtlingscamp am Kreuzberger Oranienplatz zur Außenstelle des Bundeskriminalamtes in Treptow. Hier unser zugehöriges Positionspapier. Im November 2013 haben wir verschiedene Erkenntnisse aus den Untersuchungsausschüssen, dem Prozess und den politischen Diskursen um Migration zusammenzubringen.


Auch beschäftigen wir uns immer wieder mit der Entwicklung außerhalb Deutschlands. Auf Veranstaltungen informierten wir unter anderem über Naziumtriebe in Griechenland,nochmals Griechenland, Polen oder Ungarn. Dies steht nicht zuletzt damit im Zusammenhang, dass wir zunehmend das Thema Krise und Rassismus in den Blick nehmen. Wir waren beteiligt am Berliner Bündnis gegen Rassismus und Sozialchauvinismus und haben Veranstaltungen zur „Sarrazin-Debatte“, zu Rechtspopulismus und antimuslimischem Rassismus durchgeführt. Zudem haben wir Filme und Lesungen zur NS-Geschichte präsentiert.

Wir sind der Überzeugung: Die antifaschistische Bewegung steht vor großen Herausforderungen. Über klassische Antifapolitik hinaus ist eine Beschäftigung mit den Auswirkungen der Krise und der neuen Konjunktur des Rassismus unerlässlich. Diskussionsbeitrag zu Krise und Rassismus. Mit einem Gastbeitrag im Antifainfoblatt haben wir die Debatte im Dezember 2013 fortgeführt und Einschätzungen zu den rassistischen Mobilisierungen gegen Flüchtlingsunterkünfte und der AfD abgegeben. Mit dem Kongress "Antifa in der Krise?!" haben wir versucht einen Anstoß für eine internationale Antifadebatte zu geben und Strategien zur Abwehr des europaweiten Rechtsrucks und die Herausforderungen der Antifa hierzulande zu diskutieren. Die antifaschistische Bewegung muss sich intensiv mit den rechten Formierungen und dem Wechselspiel mit dem „Extremismus der Mitte“ beschäftigen. Als Antifa AG von Avanti – Projekt undogmatische Linke wollen wir dazu in Berlin unseren Beitrag leisten.

Wir sind erreichbar über berlin@avanti-projekt.de