Dieser Text ist in einer überarbeiteten Fassung im Januar 2011 auch in den RLS_Papers erschienen.
Viele Bewegungslinke waren zu Beginn der Weltwirtschaftskrise elektrisiert von der Aussicht, einem historischen Moment beizuwohnen. Klar war: Diese Krise ist nicht bloß ein Strohfeuer des Neoliberalismus, sondern Ausdruck einer fundamentalen Krise des Kapitalismus.
Es wurde über die Grenzen der realen Kapitalakkumulation und die Flucht des Kapitals in die Finanzsphäre diskutiert und über die Bedeutung der Systemkonkurrenz und der Kämpfe der Arbeiter_innenklasse gestritten. Kaum jemand hat damit gerechnet, dass die Bundesregierung binnen kurzer Zeit 480 Milliarden Euro mobilisieren würde und schon zwei Jahre nach dem Crash der Finanzwelt ein "Jobwunder" und Wirtschaftswachstum verkünden könnte. Bislang ist der Versuch, die ökonomische in eine politische Krise zu überführen gescheitert.